Ich bin neu hier.
Vom Balkon aus ist die Stadt ein Gewirr aus Antennen, Dächern, Hinterhöfen. In dem Viertel, in dem wir wohnen, sind die Häuser gestützt von Stahlträgern, die Straßen unbefestigt. Eine Schlammwüste bei Regen, die wenigen Autos krachen in Schlaglöcher. Wenn wir das Haus verlassen, nehmen wir die Abkürzung über einen Hinterhof, wo sich Katzen räkeln, Kinder spielen, Nachbarn Wäsche aufhängen oder Autos reparieren. Vor uns gähnt ein immer offener Hauseingang, eine Treppe hinauf geht’s und eine hinunter, dann betreten wir eine andere Welt: die Straße mit den vielen Geschäften, die bergab zur Altstadt führt. Der Teil von Tbilissi, den man aus den Reiseführern kennt. Wo man sich selbst noch kennt.

Nur wenige Stationen mit der U-Bahn bis zum Goethe-Institut. Man kann auch laufen, vorbei an den Bettlern, den Verkrüppelten, die ihre festen Plätze am Straßenrand haben, den Gewürzhändlerinnen und den uralten Frauen mit Brot, Schinken, Wasserflaschen, den Straßenmusikern und den Animierern vor den Lokalen.
Das Fremde: Die wimmelnde, laute Masse auf der Straße. Der Männerüberschuss an den Abenden, die allgegenwärtige Religion, das Läuten der Kirchturmglocken zu den seltsamsten Zeiten. Das Marktgeschrei, jammernd und dringlich zugleich. Die streunenen Hunde und der verrückte Verkehr, der Wind, der den Staub und den Sand vor sich herfegt. Die kleinen, dunklen Läden in den Nebenstraßen, auf deren Treppenstufen Männer sitzen und Zeit haben. Die Schönheit des Verfalls, die ich bereits von woandersher kenne. Nicht fremd, sondern vertraut.

Das Goethe-Institut ist ein schattiger Ort mit Garten, eine Oase in der gnadenlosen Sonne, die jetzt im Mai schon ahnen lässt, was der Sommer hier vermag. Unsere Lesung findet in einem prächtigen Saal mit Flügel statt, wir sitzen an einem niedrigen Tisch. Wir, das sind meine Freundin und Autorenkollegin A., der ich es zu verdanken habe, dass ich hier bin – und eben ich, normalerweise mit dem Fahrrad unterwegs oder mit Gitarre im Gepäck. Die Gitarre wird mir gestellt, jeweils eine andere bei unseren beiden Lesungen in Georgien. Und jedesmal ein Instrument, das es mir so leicht macht wie die Menschen hier.

Entschleunigung ist das Thema meines Buches, in dem eine Frau allein mit dem Fahrrad bis nach Norwegen fährt. Begegnung mit dem Jetzt, Auszeit, unübersetzbare Wörter in einem Land, in dem alles komplett entschleunigt ist, bis auf den Autoverkehr. In Tbilissi wagt sich niemand mit dem Fahrrad auf die Straße, man sieht so gut wie keine Fahrräder und alles, was sich dem Verkehr entgegenstellt, wird weggehupt. Sogar die streunenden Hunde gehen zivilisiert bei Grün über die Ampel, sie wissen, dass niemand für sie bremst. Eine Geschichte über eine alleinreisende Radlerin löst hier großes Staunen und ein wenig Mitleid aus. Die Arme! Allein! Hat sie denn keine Verwandten und Bekannten, die mit ihr einen Ausflug machen, an einen hübschen Platz, um dort gemeinsam ein Schaschlik zu essen? Auf die Tatsache, dass die Heldin meines Buches ebenso wie ich Vegetarierin ist, wage ich gar nicht erst hinzuweisen. Nachher lobt man höflich die Gitarrenmusik zum Text, man hätte, sagt eine Frau, so schön dazu träumen können. Sie sagt es mit einem hinreißenden Lächeln und bringt mir Erdbeeren vom Buffet, obwohl ich direkt daneben stehe. Es sind hauptsächlich Frauen hier, etwas älter, gebildet, vermutlich alleinstehend. Und manche von ihnen mittellos. Sie gehen zu Lesungen im Goethe-Institut, weil es hier etwas zu hören, zu sehen, zu bereden und zu essen gibt. Eine von ihnen erzählt mir, sie sei Malerin, aber sie interessiert sich weder für die ausgestellten Bilder noch für die Bücher, nur für die mitgebrachten deutschen Modezeitschriften. Ihr Deutsch ist etwas brüchig, mein Dritte-Fremdsprache-Schulrussisch praktisch nicht mehr vorhanden, auf Georgisch schaffe ich bis jetzt „Danke“ und „Guten Tag!“, sodass unsere Unterhaltung nicht allzu lange dauert. Dafür kapert mich eine Russin, die perfekt Deutsch spricht, aber kein Georgisch kann, obwohl sie hier lebt. Früher hat sie DDR-Reisende geführt, durchs ganze Land bis nach Armenien und Aserbeidschan. Sie zählt mir jede Station auf, jedes Hotel, sie schwärmt von den goldenen Zeiten und auch von der Ex-DDR, wo sie, soweit ich sie verstehe, jedoch nie gewesen ist.
Eine andere Dame, eine ehemalige georgische Deutschlehrerin, fällt durch ihren Witz und ihre klugen Bemerkungen auf. Sie ist über achzig, wunderschön, elegant und würdevoll. Sofort ernennt sie einen der Herren unserer kleinen Gruppe zu ihrem Kavalier, und sie weiß auch genau, wie sich ein Kavalier zu verhalten hat. Dabei ist sie so selbstironisch und schlagfertig, dass alle bezaubert sind. Am Ende der Veranstaltung sorgt sie dafür, dass das übrigbleibende Essen an die richtigen Abnehmer gerät, beschenkt uns mit wunderschönen, handgearbeiteten kleinen Taschen und lässt sich von ihrem Kavalier die Treppe hinuntergeleiten. Ihr Mann, hat sie uns erzählt, sei schon vor Jahren gestorben. Jemand will ihr ein Taxi bestellen, sie lehnt ab. Ich hab keine Angst, sagt sie. In diesem Moment ist sie unantastbar, königlich, stark und zugleich verletzlich. Wir sind sehr froh, dass sich ein Kavalier findet, der sie auf dem Heimweg begleitet. Von dieser Begegnung reden wir noch lange.

Von Tag zu Tag bewege ich mich sicherer in der Stadt, die ich von Moment zu Moment mehr liebe. Die Hinterhöfe. Die Gesichter der Menschen. Niemand drängt sich vorbei, niemand fährt die Ellenbogen aus und rempelt, keine starren Blicke, versteinerten Gesichter, so wie zu Hause, wo alle alles haben und niemals genug. Ich weiß, dass ich romantisiere. Die Arbeitslosigkeit in der Stadt soll hoch sein, bei vierzig Prozent, heißt es. Es gibt nichts zu tun, deshalb hat man Zeit.
Einmal, beim Obst-, Gemüse- und Lebensmittelhändler, dessen Laden sich im Flur eines baufälligen Hauses befindet, spüre ich meine mitgebrachte Rastlosigkeit besonders stark. Der Händler, den ich schon von anderen Einkäufen her kenne, hält ein Schwätzchen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Seine Frau sitzt im Flur auf einem Hocker und telefoniert angeregt. Ich stehe vor der Auslage und betrachte das Obst. Erdbeeren, die, wie ich weiß, traumhaft schmecken, die man sofort genießen muss, weil sie nicht lange halten. Grüne Pflaumen, Ringlotten genannt. Eine Art saure Kirschen, deren Bezeichnung ich immer wieder vergesse, auf einen Stab gesteckt.
Ich betrachte das Obst ziemlich lange. Die Frau telefoniert und lächelt mir zu. Der Mann hält sein Schwätzchen. Ich spüre, wie die Empörung langsam hochköchelt: … Hallo! Ich bin doch Kundin! Wenn ihr mich nicht bedient, dann kauf ich eben woanders! … Und wie sie wieder verdampft. Wo will ich denn eigentlich hin, warum habe ich es so eilig? Die Frau telefoniert weiter und ruft ihren Mann, mit einem durchdringenden Schrei, der so klingt, als sollte er besser auf der Stelle hier antreten. Den Mann jedoch lässt der Schrei völlig kalt, das Schwätzchen ist wichtiger. Die Frau bedeutet mir mit Gesten, wie unmöglich sie das findet. Männer! Also wirklich! Dabei lacht sie. Ich muss auch lachen. Und betrachte das Obst. Wir kennen uns inzwischen richtig gut, das Obst und ich. Eine ganze Weile tut sich nichts. Die Frau telefoniert. Ruft ab und zu ihren Mann, schüttelt den Kopf, wir lachen. Irgendwann kommt er dann und ist die Zuvorkommenheit in Person. Ich verlasse den Laden mit Kirschen, Erdbeeren, Äpfeln, zwei Sorten Käse, Brot und einer großen Portion guter Laune.

Am nächsten Tag wieder Uni. Meine Freundin A. hält einen Vortrag über die deutsche Sprache vor Germanistikstudenten. Der Freund vom Goethe-Institut, bei dem wir wohnen, wird die Einführungsrede halten. Ich bin als Zuhörerin dabei. Man ist noch mit dem Beamer und der Technik beschäftigt, die Studenten unterhalten sich untereinander. Überall im Saal sind Bücherregale, gefüllt mit den großen Werken der Literatur. Eine ehrwürdige, Ehrfurcht erweckende Sammlung von Geist, Kunst, Wissen. Buchrücken an Buchrücken. Hardcover in gedämpften Farben. Und dazwischen etwas in auffäligem Pink. In zweifacher Ausfertigung. Ein Flirtratgeber, wie sich herausstellt. Zur Erheiterung oder Entspannung für die so eifrigen Studenten? Oder zum lockeren Spracherwerb gedacht? Und warum wird man auf diese Weise angezogen von etwas, das knatschpink zwischen all dem Großen und Beeindruckenden steht? Nicht nur mir geht es so. Auch unser Freund ist davor stehen geblieben, scheinbar absichtslos.
Ob ich schon reingeschaut hätte, fragt er. Nein, sage ich, aber eigentlich sei es das einzige Buch hier, das mich interessiere. Ihm gehe es genauso, sagt er, in jenem ironischen Ton, der zwischen uns dreien mittlerweile selbstverständlich geworden ist. Darauf gibt es natürlich kein Halten mehr, wir nehmen uns je ein rosa Buch, schlagen unter reißerischen Kapitelüberschriften nach und machen einander auf den einen oder anderen besonders frivolen Flirttrick aufmerksam. Und versäumen darüber, dass die Veranstaltung gerade beginnt. Als der Professor, bei dem wir Gast sind, sich uns mit salbungsvollen Worten zuwendet und die Einführungsrede ankündigt, haben wir die Flirtbücher noch in der Hand. Unser Freund wandelt sich auf der Stelle zum würdigen Vertreter des Goethe-Instituts und Deutschland in der Welt. Ich bewundere die Nonchalance, mit der er während seiner Rede das pinkfarbene Flirtbuch verschwinden lässt. Wohin, weiß ich nicht. Ich nehme mir vor, ihn nachher zu fragen, ob er jemals einen Zauberkurs gemacht hat. Doch dann fesseln mich der Vortrag von A. und die Fragen der Studierenden so sehr, dass ich es vergesse. Als wir gehen, stehen die beiden Ratgeber nebeneinander im Regal wie vorher.

Von Anfang an haben wir geflirtet, das Land und ich. Die abgeschnittenen Dörfer im Kaukasus, vom Flugzeug aus. Die Landschaft, die am Zugfenster vorbeifliegt, auf dem Weg nach Kutaisi, wo wir lesen. Kutaisi: Ein Traum aus Bergen am Horizont, Sehenswürdigkeiten, Kunst. Über dem Fluss ein Riesenrad. Ein überquellender Markt, den ich nicht zu fotografieren wage, um ihm die Seele nicht zu rauben. Viel goldenes Vlies, Medea, Argonauten. Denkmäler von inspirierten, musengeküssten Dichtern und Künstlern. Die Gruppe der vier steinernen singenden Schwestern im Park, von denen das berühmte Lied „Suliko“ stammen soll, das man auch auf Youtube anklicken kann.
Sonst ist Musik eher Männersache. Jedenfalls auf der Straße. Die berühmten polyphonen Gesänge gibt es nur im Konzert zu hören, die Straße bietet Improvisiertes, oft auf traditionellen Instrumenten. In Tbilissi, auf ihrem Stammplatz auf der Rustaveli-Straße, haben zwei Popmusiker ihre Instrumente aufgebaut. E -Gitarre und Schlagzeug. Der jugendliche Gitarrist mit den langen Haaren singt und spielt längst losing my religion auf Georgisch, während sich der Schlagzeuger noch in aller Ruhe eine Zigarette dreht. Sie anzündet. Raucht. Nur nichts überstürzen.
Einmal, an einem Feiertag, auch eine Frau. Mit Akkordeon. Und ihrem Mann. Der spielt Saxofon. Sie sind beide schon alt und betont offiziell angezogen: Faltenrock, Blazer, Anzughose. Auf rührende Weise wirken sie amtlich.
Den Bluesgitarristen, der unterhalb der einschüchternden steinernen Mutter Georgiens auf einer Bank vor sich hinspielt, würde ich gern ansprechen: Gamardschoba, ich bin auch Musikerin, Kollegin. Wie lebt es sich als Musiker in Tbilissi, welche Clubs gibt es, welche Bands?
Doch wie wirkt das, wenn ich hier einfach so einen Mann anspreche? Ich bin mir darüber genauso unsicher wie über die angemessene Kleidung – wie kurz darf mein Kleid sein, kann ich bei großer Hitze auch mal in Shorts herumlaufen? Einige jüngere Frauen tun es, doch im allgemeinen wird mehr verhüllt als gezeigt. Die Paare werden oft noch einander anverlobt, die Eltern haben dabei viel zu sagen. Sex vor der Ehe ist eher nicht üblich, zumindest offiziell. Auf dem Weg, der fort vom Touristentrubel um die Mutter Georgiens führt, umarmen sich junge Paare im Schutz der Bäume und Büsche.
Dann niemand mehr. Nur noch ein Hund. Einsam, mager, so vorsichtig und scheu wie ich.
Als ich unten in der Stadt ankomme und auf die anderen warte, spielt am Place of Freedom eine Frau Gitarre und singt dazu. Ein Mädchen noch, in punkigem Outfit, mit wirrem Haar. Ihr Freund geht mit dem Hut herum und passt auf sie auf.

Wir sind hier, um zu arbeiten. Längst hat sich eine Routine des Schreibens und der Termine entwickelt. A. führt Interviews zu einem bestimmten Thema für ihren neuen Roman. Für mich tun sich überraschend auch Recherchemöglichkeiten auf. Ich suche schon länger Kontakt zu Menschen, die es vor allem beruflich durch die Welt treibt, und jetzt bekomme ich die Möglichkeit, einigen von ihnen Fragen zu stellen.
Wo ich zweimal übernachtet habe, da fühl ich mich zuhause, sagt einer, ein Unternehmer im wahrsten Sinne des Wortes, den wir auf ein Weingut begleiten. Ein Deutscher, der seine georgischen Verhandlungspartner aus wachen Augen anblickt, der genau zuhört, bevor er einen Entschluss fasst und handelt.
Mit seinem Satz spricht er mir aus der Seele. Sich eine vertraute Welt schaffen im Unvertrauten, sich im Unterwegssein einrichten, das ist auch mein Lebensgefühl. Doch aus welchem Motiv heraus tut man das: weil man sich auf der ganzen Welt geborgen fühlt oder aus dem entgegengesetzten Grund? Meinen eigenen Grund kenne ich. Nach seinem wage ich nicht zu fragen, er ist zu beschäftigt. Er hat einiges zu besprechen und anzusehen auf diesem Weingut, das die üblichen Spuren von Verfall und Idyll zeigt. Aus dem man viel mehr machen könnte, sagt einer der Männer, ein Georgier, der lange in Deutschland gewesen ist. Das gut liegt günstig, nicht weit von Tbilissi. Angebunden an die Autobahn, jedenfalls einigermaßen. Mit Blick auf ein berühmtes Kloster. Man könnte ein Hotel hinbauen, ein Urlaubs-Entspannungs-Paradies, gar nicht groß, ganz bescheiden. Ökologisch. Geheimtipp. Aber das, sagt er und lacht, das sei vielleicht der typischste Satz, den man über Georgien sagen könnte: Ein großes Potenzial, aus dem wenig gemacht wird.
Vielleicht ist das gut so. Genau richtig.
An diesem Vormittag erscheint es mir richtig. Wir dürfen uns erholen und entspannen, an einem Holztisch, während die Männer ihre Geschäfte tätigen. Man ist ein wenig besorgt, ob wir uns vielleicht langweilen könnten. Oder uns zu heiß sei. Und damit wir nicht auf dem Trockenen sitzen, stellt man uns den hier nach traditionellen Methoden gekelterten Rotwein hin. Zum Probieren. Eine anderhalb-Liter-Karaffe.
Auch das ist typisch. Vielleicht noch mehr als alles andere.

Einer der letzten Abende. Im Lokal im Touristenviertel. Alle Tische sind besetzt. Das Gespräch an unserem Tisch kreist um Wortendungen im amerikanischen Englisch und im Deutschen. Ab und zu erscheint ein Kellner und bringt Wein und immer neue Speisen, an deren Herrlichkeit ich mich längst gewöhnt habe. Schon ein wenig Abschiedsschmerz. Untermalt von Live-Musik. Von einem Duo, Gitarre und Saxophon. Die beiden Musiker sehen einander ähnlich: klein, schlank, weißhaarig, vielleicht um die Achtzig. Ihre Musik ist dezent. Jazz-Standards, alte Popsongs, bekannte Instrumentals. Nichts Folkloristisches. Nichts, was beim Essen stören, überhaupt verstören könnte. Die kurze Stille zwischen den Liedern fällt mehr auf als die Musik. Der Beifall kommt rasch und beinahe schuldbewusst. Je länger das so geht, desto entschiedener wenden sich die beiden von den Tischen ab und einander zu. Spielen ausschließlich füreinander. Ich beobachte sie verstohlen, diese beiden alten Männer mit ihren drahtigen Körpern, die noch so jung wirken. Die Vergänglichkeit liegt in ihren faltigen Gesichtern, auch in der vorsichtigen, zärtlichen Art wie sie einander anspielen.
An den Tischen ist es lauter geworden, auch an unserem. Das Gespräch kreist nun um Fluchwörter. Die Herkunft von „Fuck“, „Ficken“, alles unter linguistischen Aspekten. Zwischendurch der schnelle, mechanische Beifall bei Liedende. Auf einmal empfinde ich alles als grob. Die Linguistik-Fachgespräche. Die Stimmen der anderen Gäste. Die Lieblosigkeit des Beifalls. Meine eigene Neugier. Mein Eindringen mit Ohr und Blick in die Intimität der beiden jungen alten Männer, die ihre Musik lieber bei sich behalten würden.
Später, auf dem Heimweg, während ich hinter den anderen hergehe, das brüchige Love me tender von Sax und Gitarre noch im Ohr, denke ich, dass es für die beiden Musiker wahrscheinlich einfach ein Job war, nichts weiter.

Vom Flugzeug aus wieder die verlassenen Dörfer. Ich verspreche ihnen still meinen Besuch. Zu einer anderen Zeit. Mit einem anderen Verkehrsmittel. Dem Rad. Vielleicht.
Den Dörfern ist das egal, sie entschwinden.
Und ich – ich muss noch ein wenig Mut tanken.

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